Durch Wegschauen zum Shutdown

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Durch Wegschauen zum Shutdown

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Kommentare (10)

    1. Nein, das bestätigt die WHO nicht, im Gegenteil, sie warnt, die Epidemie nicht ernstzunehmen. Sonst wird die WHO von den Corona-Kritikern verteufelt, jetzt wird sie zitiert. Es geht nicht um die relative Sterberate, sondern es geht um die enorme Ausbreitung der Infektion und die daraus resultierenden absoluten Zahlen von Schwerkranken, Menschen mit verbleibenden Schäde und Toten, auch im Kontext des Zusammenbruchs der Gesundheitssysteme. Sie haben das Grundproblem der ganzen Sache nicht verstanden und fixieren sich auf Sterberaten, die wir in ihren verschiedenen Facetten und mit ausreichender Sicherheit übrigens erst in der Zukunft wissen werden.

  1. Stefan says:

    Nun haben wir also den neuen Lockdown und wahrscheinlich war er tatsächlich unvermeidlich angesichts der dramatisch gestiegenen Zahlen.

    Aus rein virologischer / epidemilogischer Perspektive haben Sie unzweifelhaft recht mit allem, was Sie schreiben. Nun ist die virologische Perspektive aber nicht die einzige, die in der gesellschaftlichen Debatte eine Rolle spielt. Ich kann es genauso gut verstehen, wenn Menschen, die durch den Lockdown in ihrer wirtschaftlichen Existenz empfindlich getroffen werden (z.B. Gastronomen) eine andere Perspektive haben und einen erneuten Lockdown gerne vermieden hätten. Die Perspektive dieser Menschen, ihrer Ängste und Nöte sind genauso legitim. Die Aufgabe der Politik muss es immer sein, zwischen diesen unterschiedlichen Perspektiven einen Interessenausgleich zu schaffen.

    Von daher kann ich verstehen, dass ein Lockdown für die Politik (anders als Sie es hier vorgeschlagen haben) immer nur das letzte und nicht das erste Mittel ist. Im Ergebnis stimme ich mit Ihnen überein, dass es jetzt dringend an der Zeit war zu handeln. Ich find es aber richtig, dass man es zunächst mit milderen Mitteln versucht hat, bevor man zum Lockdown als dem drastischsten (und wahrscheinlich letztem) Mittel greift.

    Ich bin auch der Meinung, dass ein erneuter Lockdown wahrscheinlich nicht notwendig gewesen wäre, wenn gewisse Bevölkerungsgruppen sich über die Sommermonate verantwortungsvoller verhalten hätten. Wenn die Menschen beim Thema Reisen deutlich zurückhaltender gewesen wären und auf die vielen unsäglichen Party-Events verzichtet hätten. Leider haben die gut gemeinten Appelle nicht gefruchtet und nun ist gekommen, wie es wohl kommen musste.

    1. Zunächst einmal bin ich tatsächlich froh, dass der Lockdown jetzt wenigstens endlich kommt, auch wenn ich es für falsch halte, die Schulen offen zu halten.

      Ich bin in der Tat für präventive Maßnahmen statt der Sache hinterherzulaufen. Der Vorteil liegt meiner Meinung nach auf der Hand: In Vietnam, Thailand und Kambodscha ist ALLES wieder geöffnet, das Leben läuft (nun seit Längerem) komplett normal. In Kambodscha hatten wir bis zu den Überflutungen auch einen sehr starken Tourismus innerhalb des Landes. Trotz alledem haben wir NULL Infektionen im Land. Auch in Vietnam sind alle Fälle an den Grenzen und Thailand hatte in den letzten Monaten nur ca drei Infektionen im Land. Man kann also – wenn man rechtzeitig reagiert – dies Virus komplett ausbremsen und zur Normalität übergehen. Wenn man nur hinterläuft, geht das nicht, sondern es bleibt ein permanenter Alarmzustand, immer wieder mit Kranken und auch Toten und man gefährdet fortwährend andere Länder, gerade Länder der dritten Welt, die schwächere Gesundheitssysteme haben. Jedes Land, was nicht an den Grenzen testet und die Menschen in Quarantäne schickt und dann noch einmal testet, ist jetzt durch Europa und die USA maximal gefährdet.

      Hätten aber Europa und die USA das gleiche gemacht, was andere Länder mit großen Erfolg getan haben, dann wäre das Problem auf der ganzen Welt lösbar gewesen. Die WHO sagte, sie haben gedacht, sie müsse vorwiegend den wirtschaftlich schwächeren Länder helfe, hätte sich damit aber offenbar geirrt. Das scheint mir richtig. Man hat zugeschaut, wie Europa und die USA eine komplett inkonsequente, wechselhafte und nicht-nachhaltige Strategie auf Kosten der ganzen Welt praktizierten und es weiterhin tun – denn ich fürchte, in 4 Wochen geht das gleiche noch einmal los.

      Natürlich geht der Virus nicht komplett weg, aber er lässt sich de facto eliminieren und wir hätten genug Zeit für Impfungen und Medikamente gehabt. Es ist ja keine Hypothese oder Fiktion, sondern es wird von kleineren und größeren Ländern vorgelebt, nicht nur von Inseln, wie Neuseeland, sondern eben auch von anderen Ländern. Lebt man in solchen Ländern kann man nur mit Fassungslosigkeit auf die Zustände in Europa und den USA blicken.

      Es haben sich mittlerweile sogar Menschen aus Europa und den USA hierhin nach Asien geflüchtet, weil in ihren Heimatländern ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet wird. Eine Bekannte mit chronischer Atemwegsobstruktion ist heilfroh, in Kambodscha sein zu können.

      Niemanden wird geholfen, wenn wir einen dauerhaften Gesundheits-Ausnahmezustand schaffen. Und was ist mit den unzähligen Menschen, die Angst haben, in diesem Dauer-Bedrohungszustand leben zu müssen – gerade, wenn sie an Vorerkrankungen leiden oder Angehörige haben, die an solchen leiden? Was ist mit Eltern mit Vorerkrankungen, deren Kinder jetzt zur Schule gehen MÜSSEN? Wo ist ihre Freiheit? Wer interessiert sich für ihre Angst?

      Die Gastronomen erhalten 75 % der Einnahmen des gleichen Monats des Vorjahres. Gleichzeitig können sie eine Reihe an Kosten sparen (Bestellungen etc.). Sie hätten ohne diesen Lockdwon vermutlich deutlich weniger Einkommen erzielt als sie jetzt erstattet bekommen. Wir hatten ja selbst bis November 2019 das Cafe Gleichklang betrieben und es dann an die Köchin abgegeben (vor Corona). Sie hatte damals extrem schnell Geld bekommen, welches die Verluste ausglich, und der jetzige Lockdown wird zu mehr Zahlung führen als sie eingenommen hätte.

      Die Appelle konnten übrigens nach meiner Einschätzung nicht fruchten, allein durch das innereuropäische Reisen (ohne Testung in den meisten Fällen und nahezu immer ohne Quarantäne) wurde ein Zustand geschaffen, der eine Kontrollierbarkeit ausschloss.

      Durch die milden Mittel wurde die Bereitschaft, das Virus zu bekämpfen, nach meiner Einschätzung beeinträchtigt und der “Querdenker”-Bewegung wurde sogar Auftrieb gegeben. Ich glaube, dass sogenannte milde Maßnahmen die Angst nicht reduzieren, den Widerstand gegen Schutzmaßnahmen nicht schwächen, sondern eher Angst vor tatsächlich wirksamen Maßnahmen schaffen und das Problem in die Länge ziehen. Am Ende wird dadurch mehr (berechtigte) Angst entstehen und mehr Leid erzeugt, physisch und psychisch.

      Schlussendlich möchte ich noch einmal auf die Klimakatastrophe hinweisen:

      Es geht so nicht mehr weiter. Wenn wir kurzsichtig denken, kommt die Katastrophe. Wir können nicht mehr produzieren, um zu produzieren, damit wir produzieren. Warum Corona nicht zum Anlass nehmen, um grundlegend umzusteuern? Eben kein “zurück zum weiter so” mehr. Das Aufhalten der Klimakatastrophe wird uns nicht geschenkt, es muss dramatische Änderungen geben und jetzt sehen wir ja, dass es geht, wenn es sein muss. Wegen des Klimas muss es aber genau so sein, nicht morgen oder übermorgen, sondern bereits heute. Aufschieben führt zum Aufgeben.

      1. Andy says:

        Wenn ich deinen Artikel in dem du den Lockdown noch schönredest lese,könnte ich kotzen!Leider hast du überhaupt nicht im geringsten begriffen,was tatsächlich auf der Welt läuft.Selbst das größte Schlafschaf dürfte mitlerweile begriffen haben,daß wir eine Plandemie und keine Pandemie haben!Eine große Anzahl weltbekannter Wissenschaftler,Ärzte und Virologen hat dies längst bestätigt!Wer natürlich immer noch die Lügenpresse konsumiert und sich von den Lügen einlullen lässt,wird sein blaues Wunder erleben,allerdings ist es für diese Schafe dann zu spät,um aufzuwachen!

        1. Heute sind in Europa an einem Tag 3800 Menschen gestorben, vor 2 Monaten waren es noch unter 500. In Frankreich starben an einem Tag mehr als 800 Menschen, auch Deutschland liegt mit dem heutigen Tag bei fast 150. All das ist aber nur der Anfang. Belgien lässt derweil schwer kranke Patienten nach Deutschland ausfliegen. Jeder kann die Kurve der ansteigenden Fälle und auch die Kurve der Intensivpatienten sehen und diese einmal mit dem Stift in die Zukunft zeichnen. Wäre der Lockdown nicht gekommen, wir wären geradewegs in die Katastrophe gereist. Derweil berichtet auch Schweden von einer steil ansteigenden Kurve und verschärft Maßnahmen. Schweden ließ am Anfang viele Menschen sterben und meinte, damit werde es später dem Land besser gehen, nun zeigt sich, das war nicht nur kaltblütig, es war zudem ein Irrtum. Nein, das sind keine Lügen, sondern Tatsachen. Nein, Du bist nicht aufgewacht, sondern – bitte verzeihe mir diese Bemerkung – gehirngewaschen. Es gibt keine große Anzahl von weltweit anerkannten Wissenschaftlern, die Deine Sicht bestätigen. Ich kenne die Behauptung, aber sie stimmt nicht.

  2. Stefan says:

    Zu Ihrem letzten Gedanken: Ich sehe leider überhaupt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Coronakrise neue Innovationen für den Klimaschutz bringt. Ganz im Gegenteil. In meinem eigenen Umfeld beobachte ich, dass z.B. Berufspendler jetzt wieder vermehrt mit dem eigenen Auto zur Arbeit fahren statt mit der Bahn. Zur Pandemiebekämpfung vielleicht wünschenswert, aber klimapolitisch genau das falsche Signal.

    Auch der Onlinehandel erlaubt einen nie gekannten Aufschwung, mit allen Nebenwirkungen: Bergen an Verpackungsmüll, klimaschädlicher Lieferverkehr, von den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen bei einigen Paketdiensten ganz schweigen. Sozial- und umweltpolitisch alles andere als wünschenswert.

    Den einzigen Pluspunkt fürs Klima kann ich nur im deutlichen reduzierten (touristischen) Flugverkehr erkennen und im Stillstand der Kreuzfahrtbranche. Insgesamt sehe ich die Gesellschaft unter Klimaschutzgesichtspunkten aber wieder um viele Jahre zurückgeworfen.

    1. Tatsächlich ist die weltweite Luftverschmutzung in den Zeiten des weltweit starken Lockdown stark heruntergegangen. Gewässer klarten auf, in Indien konnten Menschen erstmals wieder den Himalaya sehen, der Himmel war nicht mehr schwarz, sondern blau. Weltweit wird auch die Rückkehr diverser Tierarten berichtet. China hat nun eine massive Einsparung von Co2 beschlossen, wie es vorher nicht einmal im Ansatz angedacht war.

      In diesem Artikel sind die Effekte auf Luftqualität, Wasserqualität und klimaschädliche Emissionen zusammengefasst. Das ist schon sehr dramatisch. Natürlich gibt es auch schädliche Auswirkungen, aber die positiven sind größer als die schädlichen.

      Warum Sie die Gesellschaft bezüglich Klimafragen zurückgeworfen sehen, verstehe ich daher nicht, zumal nun vermehrt massiv auch die Ursache der Pandemie (unserer Fleischkonsum) diskutiert und ein Umsteuern gefordert wird.

      Allerdings meinte ich etwas anderes:

      Die weltweiten Lockdowns mit unglaublicher Minderung der Produktion haben gezeigt, dass wir großteils nicht brauchen, was produziert wird, und das nichts essentielles zusammenbricht, wenn wir mit der Verschwendungsproduktion aufhören. Hieran HÄTTE die Gesellschaft anschließen können, um im Hinblick auf den Klimawandel endlich umzusteuern, wo wir nun sehen, dass es geht und zwar sofort.

      Anstatt über die Einschränkungen zum Wohle aller zu lamentieren, hätte die Gesellschaft darüber nachdenken können, ob dies nicht ein Signal zum Umsteuern sein könnte. Immerhin heißt seit Jahren die mehr oder weniger explizite Losung, dass wir nur Mikroschritte zum Umweltschutz tun können, weil ansonsten angeblich quasi das Leben zusammenbrechen würde. Dem ist aber nicht so. Ein Herunterfahren großer Industriezweige ändert an der Verfügbarkeit der wirklich notwendigen Güter offenbar nichts, bzw. die Gesellschaft kann sich darauf einstellen und es anders organisieren.

      Leider tragen aber Querdenker und andere vergleichbare Bewegungen dazu bei, dies auszubremsen und ein weiter so bezüglich Umweltzerstörung zu propagieren. Denn Freiheit war demnach das, was vorher da war und was letzlich bedeutet, auf Kosten der Umwelt, der Tierwelt und auch anderer Menschen zu leben.

      Leider scheinen wir es in der Tat zu verpassen, diese Lektion zu lernen, obwohl sie sich nach meiner Einschätzung geradezu aufdrängt.

      Meine Ansicht ist, dass wir als Menschen nur so leben dürfen, dass wir die Umwelt nicht zerstören, allen Menschen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und die Schwachen (ob gesundheitlich oder in anderen Bereichen) konsequent schützen. Dabei gehört zum allgemeinen Wohl auch, dass wir Epidemien, für die es noch keine wirksamen Medikamente gibt, ausbremsen. Ich sehe kein Recht auf Umweltzerstörung und auch kein Recht auf Epidemie-Verbreitung. Ich glaube nicht, dass Umweltverschmutzung und Verbreitung von Infektionen irgendetwas mit Freiheit zu tun haben.

  3. SimSaw says:

    Sehr schöner Artikel nach längerer Zeit. Auch wenn ich ein paar Dinge anders sehe.

    Die von Ihnen als verfrüht bezeichneten Lockerungen waren meines Erachtens notwendig, um die europäische Wirtschaft nicht völlig abstürzen zu lassen. Viele Unternehmer müssen Miete oder einen Kredit abbezahlen. Diese Verpflichtungen bleiben während eines Lockdowns bestehen, obwohl die Einnahmen wegfallen. Kann diesen Verpflichtungen über längere Zeit nicht nachgekommen werden, steht die Insolvenz vor der Tür. Zum anderen ist zu beachten, dass während die einen aufgrund des Lockdowns – wohlgemerkt ohne nennenswerte staatliche Entschädigungen – schließen und um ihre Existenz bangen mussten, die anderen weitermachen oder gar ihren Gewinn steigern konnten. Lockerungen haben deshalb nicht nur dazu geführt, die Wirtschaft stabil zu halten sondern auch dazu, die Wettbewerbsbenachteiligungen zu verringern. Hier standen und stehen wirklich extrem viele Existenzen auf dem Spiel.

    Ich möchte hier nicht die Wirtschaft glorifizieren im Sinne von „Wirtschaft, Wirtschaft über alles“. Mir war es nur wichtig, auch einmal die andere Perspektive darzustellen. Ich finde, wir sind durch den Reisesommer verdammt gut gekommen, auch wenn mein Familienkreis und ich damals massiv über die Reisegeilheit unserer Mitbürger geschimpft haben. Im Nachgang denke ich sogar, dass das viele Reiseveranstalter, zumindest zum damaligen Zeitpunkt, vor der Insolvenz gerettet hat. Man hätte meiner Meinung nach die Zeit nutzen und sich vorbereiten sollen: Intensivbetten ausweiten, Kontaktnachverfolgung ausbauen, bundesweite Lockdown-Maßnahmen im Vorfeld beschließen können, wenn Fallzahlen entsprechend steigen. Die Entwicklung war ja durch einen Blick in unsere Nachbarländer absolut absehbar.

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sehe es durchaus als Dilemma, zwischen Wirtschaft und Pandemiebekämpfung abwägen zu müssen. Dazu hatte ich mir sogar ein soziales Konzept ausgedacht, durch welches wir über Steuermittel die Bereiche entschädigen und finanzieren, die jetzt nicht oder nur eingeschränkt berufstätig arbeiten können und die anderen dafür halt etwas mehr Steuern bezahlen. Aber leider habe ich festgestellt, dass das in unserer egoistischen Ellenbogengesellschaft nicht möglich ist, denn dann heißt es: „ICH MUSS ARBEITEN UND DER ANDERE KRIEGT GELD FÜRS NICHTSTUN!!!einseinself“ Ja, ich fände es gut, würden diese Leute Geld dafür kriegen, dass sie zu Hause bleiben und nichts tun, anstatt rauszugehen und die Seuche zu verbreiten. Aber diese Sicht wird sich bedauerlicherweise in unserem gesellschaftlichen Diskurs aus vorgenanntem Grund nicht durchsetzen können.

    Die bisher ausgezahlten und in Aussicht gestellten Entschädigungen sind nichts weiter als ein Tropfen auf den heißen Stein. Mit weiteren finanziellen Hilfspaketen wird es auch eng, da sich die Bundesregierung immer weiter verschulden muss und aus politischen Gründen keine Steuererhöhungen für nicht von der Corona-Pandemie betroffene Geschäftstätige durchsetzen will. Schließlich ist ja nächstes Jahr Bundestagswahl. Daher tippe ich darauf, dass es immer wieder zu der unschönen Abwägung und einem Wechselspiel aus Lockdowns und Lockerungen kommen wird. Alles andere würde zu einem massiven Absturz der Wirtschaft führen, was im Extremfall von Unruhen über Plünderungen bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen kann, was den Frieden und die Demokratie im ganzen Land gefährden würde.

    Sie schreiben in einem der Kommentare, dass Sie das Café Gleichklang an eine Köchin verkauft haben, die nun von den 75 % Umsatz des Vorjahres als Entschädigung gut leben könne. Dem muss ich aber entgegnen, dass es erstens BIS ZU 75 % sind und es hierzu zweitens noch keinerlei nähere Informationen gibt, welche Bedingungen sonst noch erfüllt werden müssen. Es ist noch nicht mal bekannt, wann diese Hilfen ausgezahlt werden. Aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit ist allerdings zu erwarten, dass die Hilfen wieder nicht greifen und die Betroffenen im Regen stehen gelassen werden.

    Ich weiß nicht, wie es in Kambodscha ist. Es ist für mich denkbar, dass dort die Lebenshaltungskosten allgemein nicht so hoch sind wie in Deutschland und damit auch kein so großer Druck besteht, ein Geschäft am Laufen zu halten. Vielleicht hilft man sich bei Ihnen auch noch direkt untereinander und schreckt auch weniger vor finanzieller Nachbarschaftshilfe zurück.

    Zur Corona-App möchte ich auch noch einige Worte verlieren: Ich finde diese schon hilfreich, warnt sie doch Menschen, sehe aber auch die Einschränkungen durch den Datenschutz als sehr hinderlich. Eine Freundin, jemand im Familienkreis und ich haben eine grüne, d. h. nicht gefährliche Risikobegegnungsmeldung erhalten. Mir ist dabei schon ein wenig anders geworden und es hat sich Ratlosigkeit breitgemacht. Wo hatte ich diese Risiko-Begegnung? War das nur mal kurz im Vorbeigehen? Hatte ich eine Maske auf? War ich vielleicht sogar durch eine Tür getrennt? War die Begegnung im Freien? Kurz: Wie hoch ist das Infektionsrisiko, wenn man die äußerlichen, nicht von der App erfassbaren Faktoren miteinbezieht? Das Einzige, was ich durch diese Meldung damals gelernt habe, ist, dass das Virus immer näher kommt.

    Ihre Ausführungen zur Psychologie finde ich interessant und möchte dazu Folgendes ergänzen: Ich habe in dieser Pandemie festgestellt, dass es zwei Wege gibt, mit dieser Ausnahmesituation umzugehen. Wir können entweder unser Leben an die Realität anpassen (z. B. durch Abstand halten und Maske tragen) oder wir können versuchen, die Realität an unser Leben anzupassen (Corona verharmlosen, selektiv Fakten herauspicken).

    1. Vielen Dank für Ihre Anmerkungen.

      Ich stimme Ihnen absolut zu, dass wir Menschen für “Nichstun”, nämlich zu Hause bleiben bezahlen sollten. Allerdings ist in der Tat die Aktivierung von Neid etc. wohl so stark, als dass dies Wirklichkeit werden würde.

      Man könnte allerdings beispielsweise direkte Zuschüssen bei Arbeit von zu Hause geben etc. Man müsste es lohnend und attraktiv machen, von zu Hause zu arhbeiten, wann es möglich ist. Die Herstellung der Möglichkeit dazu sollte staatlich komplett finanziert werden. Man könnte die Komplettfinanzierung auch auf Selbstständige, kleinere und mittlere Unternehmen einschränken.

      Ich wollte mich übrigens gar nicht gegen Lockerungen an sich wenden, sondern gegen die Art und Geschwindigkeit der Lockerungen. In Kamboscha, Vietnam, Thailand etc. ist ja alles seit langem viel stärker gelockert. Wir hatten jetzt hier 3 Monate gar keine Einschränkungen mehr gehabt, nun sind allerdings wieder Schulen und Freizeiteinrichtungen geschlossen, weil der ungarische Außenminister zu einer Ansteckung im Land führte. Diese werden in zwei Wochen wieder geöffnet, wenn alle 1000 Personen, die jetzt in Quarantäne sind, zum zweiten mal negativ testen und keine neuen Fälle kamen.

      Langfristig wird die Aussperrung des Virus aus Kambodscha oder Vietnam der hiesigen Wirtschaft bestimmt besser tun als der dauerhafte Pandemie-Zustand oder eine Katastrophe.

      Nach meiner Überzeugung hätte man die Maßnahmen in Deutschland ohne Änderung 4-6 länger durchhalten, danach eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum verhängen sollen und innerhalb des Landes dann wieder mit einigen Änderungen alles öffnen können – bei massiver Nachverfolgung aller Fälle und lokalen Lockdowns bei auftretenden Clustern.

      Das Scheitern der App am Datejnschutz ist ebenfalls ausgeprochen bedauerlich und der Bedrohungssituation nicht angemessen. Man hätte ein Gesetz machen können, dass alle diese Daten nach dem Ende der Epidemie nicht mehr verwendbar sein dürfen.

      Die Grenzenöffnung OHNE Testung und Quarantäne aller Einreisenden halte ich allerdings für einen Kardinalfehler, der die Kontrolle der Epidemie komplett unmöglich machte. Genau dies ist es, was Kambodscha, Thailand, Vietnam und Laos gerettet hat und nur deshalb konnte hier seit Monaten absolut alles geöffnet gewesen, ohne dass es dadurch zu neuen Fällen gekommen wäre. Etwas länger durchgehalten und danach den Import von Fällen verhindert.

      Die Lebenshaltungskosten sind hier übrigens nicht geringer, wenn die Höhe der Gehälter mit berücksichtigt wird. Vergleichbare, allgemein verfügbare Hilfen wie in Deutschland gab es nicht und konnte es auch nicht geben. Der internationale Tourismus ist nahezu komplett zusammengebrochen. Nur ein Teil konnte durch den inländischen Tourismus kompensiert werden. Selektiv dieser Bereich (Hotels etc.) haben dann aber auch hier Unterstützung erhalten bzw. Banken wurden aufgefordert, auf Kreditzahlungen zu verzichten etc.

      Es wäre eine Möglichkeit gewesen, genau dieser Branche – eben ähnlich wie jetzt der Gastronomie – selektiv zu helfen und sie dadurch am Leben zu erhalten. Das wäre sicherlich billiger gewesen, als viel mehr lahmlegen zu müssen und eine geradezu wahnwitzige Ausbreitung der Epidemie zu verursachen. Man hätte auch sämtliche Kredite von kleineren und mittleren Unternehmen hätte ruhen lassen können etc.

      Für die 14 tägige Quarantäne aller Einreisenden hätte Deutschland zudem Hotels anmieten können (so macht Kambodscha das auch).

      Schließlich sollten wir nicht vergessen, dass wir eine Welt sind:

      Je mehr die reichen Länder bei sich die Epidemie gedeihen lassen, desto mehr Fälle gelangen in die ärmeren Länder und desto schwieriger wird es für diese. Nahezu alle Fälle in Kambodscha sind seit Monaten Kambodschaner, die zurückkehren, oder Ausländer, die aus anderen Gründen einreisen. Gäbe es hier nicht das System der Testung, Quarantäne und erneuter Testung wäre Kambodscha, welches gerade massiven Überflutungen ausgesetzt ist, von einer nicht mehr beherrschbaren Katastrophe heimgesucht worden. Aber auch so verursacht diese Situaiton dem Land jeden Tag hohe Mühen und Kosten, die gerade jetzt beobachtbar wieder zunehmen, insbesondere durch die Situation in Europa und den USA.

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