Covid-19: Wie Kurzzeitdenken zum globalen Versagen führt

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Covid-19: Wie Kurzzeitdenken zum globalen Versagen führt

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Kommentare (6)

  1. Cornelius Pfannkuch says:

    Vielen Dank für den ausführlichen Artikel mit Vergleichszahlen aus andern Ländern. Ich stimme der Grundaussage zu, dass kurzfristiges wirtschaftlich orientiertes Denken und Handeln absolut kontraproduktiv ist, wenn es darum geht, die Pandemie einzudämmen. Psychologisch gesehen ist die Maskenpflicht mir allerdings ein Graus, ich sehe nur vermummte Personen, jeder kommuniziert “Abstand, Abgrenzung” und das Grundgefühl der Angst wird permanent im Alltag genährt. Da brauche ich eine Balance, das ist schlecht fürs persönliche Immunsystem.

    Mir ist aufgefallen, dass in dem Artikel ungewöhnlich viele Rechtschreibfehler enthalten sind, “Masten” statt “Masken” kommt öfters vor. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz des Artikels. Vielleicht noch mal mit innerlichem Abstand drüberschauen!!!!

    1. Vielen Dank für den Hinweis zu den “Masten”, was ich korrigiert habe. Ich diktiere Artikel in ein Sprachverarbeitungsprogramm und überlese bei der Korrektur dann immer mal wieder Rechtschreibfehler.

      Masken sind nun leider oder zum Glück die mit am wirksamste Maßnahme. Wenn beide Seiten eine Maske tragen, reduziert sich das Ansteckungsrisiko enorm. Abstand reicht nicht, weil immer deutlicher wird, dass die Übertragung auch über kleinere Aerosole stattfindet, die sich weit im Raum bewegen und lange in der Luft stehen können.

      Menschen sind sehr anpassungsfähig und können unter ganz anderen Bedingungen dennoch zufrieden und glücklich werden. Wir können lernen, mit Masken miteinander direkt und klar zu kommunizieren, sodass hier kein Defizit zu entstehen braucht.

      Es ist eine Frage der Interpretation:

      Wenn Sie Masken als etwas interpretieren, was den zwischenmenschlichen Austausch behindert, werden Sie es so erleben. Wenn Sie es andere interpretieren, werden Sie es anders erleben.

      Ich trage durchgängig draußen seit Mitte Januar eine Maske und fühle mich immer besser, wenn andere Menschen dies auch tun. Das wechselseitige Tragen von Masken kann auch als wechselseitige Sorge und Rücksicht interpretiert werden. Insofern scheint es mir ratsam, die eigene Einstellung zu Masken in diesen Pandemie-Zeiten zu verändern.

  2. Petra says:

    Ihr Satz ist in meinen Augen sehr richtig und wichtig: Wenn wir die Masken als etwas Gutes begrüßen, weil sie uns in der derzeitigen Situation helfen, stören sie uns auch nicht, wir können sie leicher akzeptieren. Es ist eine Frage der Haltung und der Entscheidung, was wir wie sehen wollen.

    Mir fehlt ehrlich gesagt manchmal das Verständnis, wenn die Menschen sich über die Maskenpflicht beklagen … (“Es reicht”, “Ich habe genug”). Ist das nicht der kleinste Preis, den wir zur Eindämmung der Pandemie zu leisten haben? Ärzte und Krankenschwestern/Pfleger, die die Masken den ganzen Tag lang tragen müssen (manche sogar komplette Schutzanzüge), was würden wir tun, wenn sie anfangen würden, sich zu beklagen und nicht mehr bei der Arbeit erscheinen!?!?

    1. Ich sehe es genau wie Sie als eine Frage der Haltung an. Wieso ist die Akzeptanz für dieses einfache Schutzmittel bei einigen Menschen so gering? Ich sehe hier einerseits Prozesse der Katastrophisierung, indem man sich gegenseitig hochschaukelt und so aus einer insgesamt doch recht kleinen Veränderung eine riesige Angelegenheit macht. Andererseits kommt es wohl auch von der leider noch weit verbreiteten Fehlannahme, dass Masken nicht wirken würden. Dabei kommt eine aktuelle Studie auch beim neuen Corona-Virus (wie bereits eine vorherige zur Grippe) zum Ergebnis, dass bei 80 % Maskencompliance die Epidemie endet. Der Irrglaube an die mangelnde Wirksamkeit resultiert auch aus kulturellen Vorurteilen (was man nicht kennt, braucht man nicht, Asiaten tragen Masken, weil sie ihr Gesicht nicht zeigen wollen), aber ebenfalls aus einer falschen Strategie der politischen Entscheidungsträger und Medien zu Beginn der Epidemie, die die Wirksamkeit von Masken kleinredeten. Umso wichtiger ist es nun, die Maske als ein positives Symbol des Schutzes, der Rücksicht, der Sicherheit und damit auch der Befreiung (von Hilflosigkeit und Gefahr) populär zu machen. Je besser dies gelingt, desto besser werden wir diese Epidemie in den Griff bekommen.

  3. Stefan says:

    Ihre Texte zum Thema Corona lese ich immer noch mit Interesse, weil sie wertvolle Denkanstöße liefern aus Perspektiven, über die man selten liest. Inhaltlich stimme ich ihnen in vielen Punkten zu, allerdings habe ich Probleme mit ihrem oft vorwurfsvollen und moralisch urteilenden Stil. Zumindest wirkt es so, denn sie benutzen oft stark wertende Begriffe wie unsolidarisch, rücksichtslos, dissozial usw.

    Natürlich gibt es Menschen, die sich offen rücksichtslos uns unsolidarisch verhalten. Jedoch frage ich mich, ob hinter solchen Verhaltensweisen nicht in Wahrheit tief sitzende Ängste stecken, die nicht ausgesprochen und eingestanden werden. Meine These ist, ob es nicht der bessere Weg wäre, die Ängste der Menschen ernst zu nehmen, statt sie einfach nur als unsolidarisch, als rücksichtslos oder verantwortungslos zu brandmarken.

    Ich selbst habe z.B. wahnsinnige Angst davor, irgendwann mal (z.B. als Kontaktperson) in häusliche Quarantäne geschickt zu werden, weil ich fürchte, es könnte traumatische Erinnerungen aus meiner Kindheit antriggern. Ich habe diese Angst benannt und daraufhin schon im Vorfeld überraschende Unterstützungsangebote bekommen, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Meine Therapeutin hat mir zugesagt, mich im Quarantänefall mit regelmäßigen Telefon- und Videokontakten zu unterstützen. Mein Arzt hat mir ein Beruhigungsmittel verschrieben, damit es nicht zu Angst- und Panikattacken kommt. Nach einigem Herumtelefonieren habe ich herausgefunden, dass auch der sozialpsychiatrische Dienst sozialpädagogische Begleitung anbietet für Menschen, die unter häuslicher Quarantäne stehen. Mit dem sozialpsychiatrischen Dienst hatte ich ein längeres Telefongespräch, wo man meine Ängste sehr ernst genommen hat. Dieses Gespräch hat viel dazu beigetragen, meine Quarantäneangst ein ganzes Stück abzumildern.

    Leider ist über solche Hilfsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt, ich musste das alles in Eigeninitiative herausfinden. Seitdem bin ich umso mehr davon überzeugt, dass es mit Vorwürfen und moralischen Verurteilungen der „Corona-Kritiker“ nicht getan ist. Es müsste viel deutlicher kommuniziert werden, dass niemand mit seinen Ängsten (egal ob berechtigt oder unberechtigt) allein gelassen wird. Die Botschaft müsste sinngemäß sein:

    „Ja, viele Maßnahmen zur Corona-Pandemie können hart, belastend und entbehrungsreich sein. Es wird aber in dieser schweren Zeit niemand allein gelassen. Wem es psychisch schlecht geht und wer es aus eigener Kraft nicht schafft, bekommt Hilfe und Unterstützung!“

    Es gab Menschen (sogar von amtlicher Seite), die mir genau dieses Gefühl vermittelt haben und dafür bin ich dankbar. Ich bin überzeugt, nur mit solchen Botschaften kann man Menschen erreichen und mitnehmen. Wer sich verurteilt und moralisch an den Pranger gestellt fühlt, der wird sich umso mehr in seine eigene Welt zurückziehen. Ängste benennen und miteinander im Gespräch bleiben ist der einzige Weg, der alle Seiten weiterbringt.

    1. Ich strebe eigentlich keinen vorwurfsvollen Ton an, wenn ich aber die Aussagen auf den Corona-Demonstrationen mir anschaue (und zwar das Video-Material, was die Veranstalter selbst einstellen), sehe ich kaum andere Wertungsmöglichkeiten.

      Man sieht dort sehr wenig Angst, aber dafür sehr viel Egozentrismus, Nationalismus, Vorwürfe gegen alle, die anderer Meinung sind, Behauptungen, diejenigen, die die Epidmeie eindämmen wollen, wären schlimmste Verbrecher.

      Auch denkt man nicht darüber nach, was wäre, wenn man sich irrt, und was man damit dann anrichten könnte. Man handelt, als ob man unfehlbar wäre und blendet die möglichen Folgen aus. Furcht, Angst oder Ängstlichkeit führen eher zum Gegenteil.

      Ich glaube zudem, dass bezüglich des “Verurteilens” und “an den Pranger stellens” es umgekehrt ist. Die Verurteilungen gehen durch die Corono-Kritiker aus, die allen anderen vorwerfen, Schwerverbrecher zu sein. Dies ist der Grund, warum eben dann auch diese Positionen kritisch eingeordnet werden.

      Ganz anders ist Ihr eigenes Erleben zu bewerten:

      Natürlich machen Quarantänemaßnahmen Angst und selbstverständlich besteht auch hier eine Verpflichtung zur Solidarität, die Sie ja auch glücklicherweise erfahren. Ihre Angst ist völlig nachvollziehbar und die Gesellschaft steht in der Pflicht, Ihnen und jedem, der solche Angst erlebt, zu helfen.

      Angst macht es vielen Menschen auch, dass sie oder ihre Lieben sich auf den Intensivstationen wiederfinden könnten. Genau diese Angst, obwohl sehr berechtigt, wird von den Kritikern nicht einmal im Ansatz reflektiert oder anerkannt und dies ist ein Grund, warum ich diese als unsolidarisch betrachte.

      Angst führt oft dazu, dass wir Dinge vermeiden, uns besonders vorsichtig verhandeln, uns an Orte nicht trauen, Konflikten aus dem Weg gehen. Bei zu viel Angst, tun wir zu wenig.

      Angst allein kann das ausgesprochen offensive Verhalten der Corona-Kritiker und auch deren Beiträge in den sozialen Netzwerken nach meiner Einschätzung nicht erklären. Es demonstrieren eher die, die zu wenig Angst vor Gefahren erleben, und die dann ihre Angstfreiheit in der Tat nach meiner Einschätzung unsolidarisch ausagieren.

      Ich habe ja auch eine Reihe von Nachrichten von Corona-Kritikern erhalten. Angst konnte ich dort nie wahrnehmen, wohl aber viel Egozentismus und ein bemerkenswert geringes Mitgefühl mit den Leidenden und Toten (“Sterben gehört zum Leben”, “sind alle über 80”, “hatten Diabetes”, “lebten ungesund”, “wären sowieso bald gestorben”).

      In Erinnerung geblieben ist mir auch eine Dame, die auf meinen Verweis auf einen besonders schweren Verlauf mit der Äußerung reagiert, der Betreffende wäre selbst schuld, weil er keine Darmreinigung gemacht habe. Was kann einem dazu noch einfallen?

      Ich halte solche Formulierungen bzw. Gedanken weder für einen direkten noch für einen indirekten Ausdruck von Angst. Wer sich fürchtet, meint noch lange nicht, dass es nicht so schlimm sei, wenn andere sterben. Typischerweise wäre eher das Gegenteil zu erwarten.

      Die starke Nähe der Demonstrationen zu rechtem und auch rechtsextremen Denken sehe ich ebenfalls nicht als einen Indikator für Angst, sondern für einen Mangel an Empathie.

      Aber natürlich gibt es überall Grautöne und in jeder Menge sind auch manche, die eigentlich den Motiven der Menge nicht entsprechen. In diesem Sinne mag bei einigen auch Angst eine Rolle spielen und sicherlich gilt nicht für alle, dass das unsolidarische Verhalten, was sie zeigen, tatsächlich tiefgreifend verinnerlicht ist.

      Ich habe lange versucht, mit Corona-Kritikern, die mich anschrieben, zu diskutieren. Ich bin dabei aber entweder auf massive Beschimpfungen gestoßen: “Menschen wie Sie gehören nicht in das neue Deutschland“, schrieb mir eine Psychotherapeutin, oder aber es erfolgten keinerlei inhaltliche Antworten, sondern das Zusenden immer neuer Tiraden und Links, ohne dass Argumente ausgetauscht wurden. Es gab nie eine Antwort auf irgendeinen Aspekt, auf den ich hinwies, obwohl ich mich bemühte, Punkt für Punkt die Ausführungen der Kritiker aus meiner Sicht zu beantworten.

      Jedenfalls bei denen, die mit mir kommunizierten, war kein ängstlicher Mensch dabei, auch hintergründige Angst konnte ich nicht erkennen.

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